Geschichte des Theatervereins Fürth

Geschichte des Theatervereins Fürth

Über 40 Jahre Theaterverein Fürth

Eine Chronik von 1969 bis 2009

Es war Ende der 6oer Jahre. Die im Sommer 1945 geschlossene "Theaterehe" zwischen Nürnberg und Fürth (kriegsbedingt ausgesetzt bis zum 5. November 1952) kriselte heftig. Immer wieder kamen aus Fürth Klagen, dass viele gute Aufführungen nur in Nürnberg gespielt würden. In der Saison 1967/68 hatte das Theater nur noch eine Platzausnutzung von 59 %. Dazu kamen Probleme mit der Technik des Hauses, der zu kleinen Bühne und dem mangelnden Sicherheitsstandard. Nach einem beim Berliner Theaterarchitekten Prof. Thomas Münter in Auftrag gegebenen Renovierungsplan sollte die Stadt Fürth rund fünf Millionen Mark bereit stellen. Dies lehnte der Stadtrat im Dezember 1968 ab.

Ebenfalls im Dezember traf sich auf Anregung von Annelie Grundig und Hermann Fiedler ein kleiner Kreis theaterbegeisterter Fürther Bürger, die "ihrem" Theater aus der Krise helfen wollten. Am 28. Januar 1969 gründeten sie im Parkhotel den Verein "Freunde des Fürther Theaters". Seine Ziele sind im §2 der Satzung niedergelegt: "... Der Verein verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke ... und zwar die Förderung des Kulturlebens in Fürth. Insbesondere hat er den Zweck, das Fürther Theaterleben ideell und materiell zu fördern".

In die Vorstandschaft wurden gewählt: Hermann Fiedler (1. Vorsitzender), Werner Endres (2. Vorsitzender), Josef Peter Kleinert (Schriftführer, ab 1970 Geschäftsführer), Horst Schütze (Kassier). Die ersten Arbeiten der Vorstandschaft galten der Werbung von Mitgliedern. Diskussionsabende und Denkschriften befassten sich mit dem Umbau und einem möglichen Spielplan des Fürther Theaters. Der junge Verein stellte sich offen hinter die Pläne Münters. Zu den Mitgliedern der "ersten Stunde" gehören u.a. Karl Haspel, Robert und Karin Kuhnle, Julius Schöll, die CSUStadtratsfraktion, die Sparkasse Fürth (gehört zu den größten Förderern des Vereins), Gertrud und Willi Wilde, Liselotte Prell, Ingeborg Fiedler.

 Nachdem die Stadt Nürnberg die Fürther unter Druck setzte (der Beitrag zur Theaterehe sollte um 50.000 Mark erhöht und das Theater umgebaut werden), entschied sich der Fürther Stadtrat am 20. März 1970, die Verbindung der beiden Bühnen zu beenden. Am 17. Juli schloss sich nach Cimarosas "Die heimliche Ehe" der Vorhang. Nun bekam Prof. Münter den Auftrag für einen abgespeckten Plan. Der Verein der Freunde des Fürther Theaters versprach, eine Million Mark für den Umbau zu sammeln und das Dreierteam Rolf Lansky (Opern- und Operettenregisseur), Karlheinz Schäfer (Theaterwissenschaftler) und Dr. Willi Wörthmüller (Kulturredakteur bei den "Fürther Nachrichten") stellten ein Gastspielprogramm zusammen, das eine Fülle an prominenten Schauspielern auf die Fürther Bühne brachte. An der Kasse musste man wieder Schlange stehen.

Am 7. Februar 1971 fiel der letzte Vorhang für eine Renovierungszeit von knapp zwei Jahren. Zur Überbrückung organisierte Josef Peter Kleinert , der Geschäftsführer des Vereins der Freunde des Fürther Theaters, während der Umbauzeit Gastspiele, die im Berolzheimerianum aufgeführt wurden. Am 28. April 1971 riefen die Freunde des Fürther Theaters (ähnlich dem Spendenaufruf des "Theatercomités" von 1898) die Bevölkerung auf, ihren Beitrag zur Renovierung des Theaters zu leisten. 50.000 Postwurfsendungen und 7.000 persönliche Schreiben wurden verschickt und erbrachten etwa 750.000 Mark, davon 120.000 Mark durch eigene Veranstaltungen des Theatervereins. Am 13. Januar 1973 wurde das renovierte Theater nun unter der Leitung von Kraft-Alexander Prinz zu Hohenlohe- Oehringen eröffnet. Die in der Denkschrift von 1969 gesteckten Ziele der Freunde des Fürther Theaters waren damit erreicht. Seit der Wiedereröffnung organisiert der Theaterverein den Empfangsdienst im Fürther Theater, der von Kollegiaten des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums versehen wird. Seit 1974 gibt der Verein in Zusammenarbeit mit der Fürther Theaterleitung die Fürther Theaterzeitung Bretterbericht heraus. 1982 stiftet der Verein den Fürther Talentpreis (seit dem Tod des Motors des Vereins umbenannt in " Josef Peter Kleinert Gedächtnispreis für junge Talente - Talentpreis des Theatervereins Fürth") - der an junge musische Talente verliehen wird. Zur Schließung der Baulücke zwischen Theater und City Center gibt der Verein der Stadt eine Spende von 50.000 Mark.

Heute gehören dem Theaterverein Fürth über 2.100 Mitglieder an. Er zählt damit zu den größten vergleichbaren Organisationen in der deutschen Theaterlandschaft. Bis heute summieren sich die Zuwendungen des Vereins aus Spenden seiner Mitglieder und aus verschiedenen Aktivitäten (wie etwa die fünf Tombolas) auf etwa 1.500.000 Euro.

(Quellen: Broschüren "Freunde des Fürther Theaters eV. Theaterverein Fürth 1969 - 1989; 25 Jahre Theaterverein Fürth 1969 - 1974; 30 Jahre Theaterverein 1969 - 1999; Barbara Ohm: "Dieser Mauern hochgewölbtes Dach ...", Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Fürther Stadttheaters 1902 - 2002)